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April 29, 2022

Was mache ich, wenn ich mit dem Rücken zur Wand stehe? | mit Max Lambsdorff von ExpressGroup

Was mache ich, wenn ich mit dem Rücken zur Wand stehe? | mit Max Lambsdorff von ExpressGroup

2021 nahezu zahlungsunfähig aufgrund einer geplatzten Finanzierungsrunde, heute erfolgreiches Series A-Startup.

Max Lambsdorff hat in seiner Startup-Laufbahn sämtliche Ups and Downs mitgenommen, die es gibt. In dieser Folge teilt er seine Erfahrungen, damit du für solche Herausforderungen besser vorbereitet bist.

- Wie bewahrt man einen kühlen Kopf, wenn die Finanzen plötzlich nicht mehr passen?
- Mit wem rede ich, wenn ich mal neutrales Feedback brauche?
- Wie stelle ich mich auf, um Momentum aufbauen zu können?
- Was muss man bei einer VC-Runde beachten?

Außerdem sprechen wir über Expresssteuer und schauen uns an, wie man den Mehrwert für den Kunden zum Erfolgsmodell macht. 

Die Kapitel:
00:58 Was man über die ExpressGroup wissen sollte
02:18 Ausgangslage von ExpressGroup
08:29 Was macht die ExpressGroup?
13:12 Warum ist jetzt die Zeit für den Launch neuer Verticals & Länder?
18:22 Optimierte Lösungen für Menschen außerhalb der FinTech-Welt
20:20 Warum ist die Investorenrunde Anfang 2021 gescheitert?
23:06 Was macht man als Gründer, wenn das Geld ausgeht?
31:29 Unterschied zwischen einer Not-Finanzierungs-Runde & der aktuellen VC-Runde
33:05 Mit wem kann man sich neutral beraten & wo kann man sich Ratschläge/Entscheidungshilfen holen?
40:52 Wie man gute Entscheidungen trifft
44:22 Wie geht ihr vor, damit eure Hypothesen nicht komplett falsch laufen (Investments, KPIs, Daten etc.)? 
53:22 Fundraising: Was rätst du Gründern & welche Tipps hast du?
58:30 Intro, Pitchdeck & Analyst Call: (Wann) Muss dort der Fokus liegen?

MAX LAMBSDORFF
Max auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/maximilianlambsdorff/  
ExpressSteuer: https://www.expresssteuer.com/ 
Die Podcastfolge mit Daniel Weinand findest du hier: https://www.jungunternehmerpodcast.com/wie-treffe-ich-als-grunderin-bessere-entscheidungen-mit-daniel-weinand-co-founder-shopify/


Was tun, wenn einem das Geld ausgeht? 

ExpressGroup Gründer Maximilian Lambsdorff über die Höhen und Tiefen des Start-up-Daseins

Eine FinTech Plattform für die Arbeiterklasse? Genau hierum handelt es sich bei ExpressSteuer, einem 2019 gegründeten deutschen Start-up. Denn das inzwischen in ExpressGroup umbenannte Unternehmen richtet sich bewusst an Menschen, die sich keinen Steuerberater leisten können und gleichzeitig vom Ausfüllen der eigenen Steuererklärung überfordert fühlen: 

„Pro Jahr geben 12 Millionen festangestellte Menschen keine Steuererklärung ab. Das sind vor allem Menschen, die Angst davor haben etwas falsch zu machen, nicht so gut in Mathe sind oder die Sprache nicht so gut kennen. Wir bieten ein Tool, dass genau diesen Menschen ermöglicht, ihre Steuererklärung selbst erstellen und einreichen zu können“, fasst der Gründer Maximilian Lambsdorff das Geschäftsmodell zusammen.   

Funktionieren tut das so: Nachdem die Kunden ein paar kurze Fragen beantwortet haben, verlinkt die Plattform diese mit einem Steuerberater, der auch Zugang zu den relevanten Daten beim Finanzamt hat. Der Experte erstellt aufgrund der so erhaltenen Informationen die Steuererklärung. Dank der über die Plattform ermöglichten Teilautomatisierung des Prozesses wird sowohl dem Kunden als auch dem Steuerberater Zeit und Mühe erspart. Besonders attraktiv für den Kunden wird die Plattform aufgrund der Tatsache, dass diese auf Provisionsbasis arbeitet. Soll heißen: Nur wenn der Kunde tatsächlich eine Steuerrückzahlung bekommt, behält ExpressSteuer einen Prozentsatz des so gewonnenen Geldes. 

„Nur wenn der Kunde gewinnt, gewinnen wir auch“, erklärt Maximilian Lambsdorff das provisionsbasierte Modell in einem Satz: „Dies führt dazu, dass wir alle unsere Entscheidungen für den Kunden treffen.“ Ein Ansatz, der auch Investoren überzeugt hat: Erst kürzlich machte ExpressGroup mit der Neuigkeit auf sich aufmerksam, dass das Unternehmen 25 Millionen Euro eingesammelt hat: 

„Ein Großteil der FinTech Welt baut Produkte für Menschen wie sich selbst. Das wollen wir anders rangehen. Ich habe BWL studiert und kann meine Steuererklärung selbst machen, aber es gibt ganz viele Menschen, die zum Beispiel im Altersheim arbeiten oder LKW-Fahrer sind und denen das Wissen, Selbstvertrauen oder schlicht und einfach die Lust fehlt, um sich darum zu kümmern. Diese Menschen brauchen unser Produkt noch viel mehr als ich es tue. Und genau für diese Menschen will ich unsere Produkte bauen“, fasst der Jungunternehmer seine Vision zusammen. 

Das Erfolgsgeheimnis von ExpressGroup  liegt darin, dass die Plattform es geschafft hat, den Prozess des Ausfüllens der Steuererklärung so stark zu vereinfachen, dass auch Menschen, die sich von der Aufgabe überfordert fühlen, dies ohne den Verlust von Zeit und Nerven, schaffen.  Natürlich hilft es auch, dass ExpressSteuer ihren Kunden kein Produkt, sondern bares Geld generiert, und damit nichts “verkaufen” muss.  Da der Kunde darüber hinaus nur im Falle einer tatsächlichen Steuerrückzahlung Geld für die Nutzung der Plattform zahlt, ist diese Lösung nicht nur attraktiv, sondern komplett risikofrei für den Kunden. 

Trotz dieser vielversprechenden Faktoren kann Maximilian Lambsdorff nicht nur auf Höhepunkte zurückblicken. Denn es gab einen Moment, in denen dem Start-up fast das Geld ausgegangen wäre: 

„Wir wollten viel zu früh viel Geld raisen und sind an die falschen Investoren geraten. Anfang 2021 waren wir dann plötzlich fast zahlungsunfähig. Wir kamen aus den Weihnachtsferien und wussten nicht, wie und ob es weitergehen wird. Das war eine sehr herausfordernde und belastende Situation. Gleichzeitig war es aber auch eine Zeit, in der ich sehr viel gelernt habe und die auch den Grundstein für den Erfolg, den wir jetzt haben, gelegt hat“, zieht der junge Gründer sein Fazit. 

Wenn er die Zeit zurückdrehen könnte, wurde er seinem damaligen Ich raten, die Dinge langsamer anzugehen. Andererseits weiß man in jeglichen „Was wäre, wenn“-Szenarien nie, was tatsächlich passiert wäre: „Natürlich hätte [die damalige Fundingrunde] trotzdem klappen können, aber wir wissen nicht, was dann passiert wäre. Es hätte auch passieren können, dass wir mit 300 km/h gegen die Wand gefahren wären“, reflektiert der Jungunternehmer. 

Trotzdem war die darauffolgende Phase alles andere als angenehm: 

„Als CEO bist du dafür verantwortlich, dass das Team das Kapital hat, um an der Vision weiterzubauen. Mir wurde klar, dass es keine andere Möglichkeit gibt, als das noch irgendwie hinzubekommen. Wir sind also auf alle Angels, die wir kannten, zugegangen und haben gepitcht. Damit sind noch mal 1,5 Millionen zusammengekommen. Im Endeffekt war das unsere Rettung.”

Eine Rettung in letzter Sekunde, die das Gründerteam mehr als nur Nerven kostete: “Natürlich wollen Investoren, die dich retten, auch was dafür haben. Das Risk-Profil einer Rettungsrunde ist hoch. Entsprechend war das ein richtig ekliger Deal für uns“, reflektiert Maximilian Lambsdorff. Rückblickend ist er vor allem dankbar für sein Team, das trotz aller Schwierigkeiten weiter an die Expressgroup-Vision geglaubt hat. Für ihn selbst ist sein Mentor nach wie vor eine wichtige Stütze: 

„Ich bin jemand, der wenig über Probleme spricht, weil ich immer das Gefühl habe, dass ich diese am besten selbst lösen kann. Je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass das vielleicht der falsche Ansatz ist. Ich komme sehr lange gut klar, aber irgendwann ist es einfach besser jemanden zu haben, mit dem man sprechen kann.“

Gleichzeitig rät er anderen Gründern, nicht zu lange zu zögern, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen: 

„Am Ende ist die Zeit, die du dafür aufwendest, um dich vor der Entscheidung zu drücken, viel teurer, als wenn man die Option nimmt, die vielleicht ein paar Prozent schlechter ist. Das ist etwas, das man schnell lernen muss, wenn man gründen will.“

Wenn ihr hören wollt, warum dieser Rat nicht nur für das Gründen von Unternehmen, sondern auch für die Essensbestellung beim Netflix-Abend gilt, dann hört rein in den Podcast…