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April 2, 2022

Wie läuft der Zusammenschluss zwischen Millionen-Unternehmen und Startup? Am Beispiel von SellerX und KW Commerce

Wie läuft der Zusammenschluss zwischen Millionen-Unternehmen und Startup? Am Beispiel von SellerX und KW Commerce

Der Merger zwischen Millionen-Unternehmen und Startup: Wie strukturiert man so einen Deal und was sind die Learnings? - Am Beispiel von SellerX und KW Commerce

Jahresumsatz: Mehr als 100 Millionen Euro - Jens Wasel fusioniert sein Unternehmen KW-Commerce mit dem Startup SellerX, um „langfristigen Erfolg“ zu schaffen. Als Angel-Investor war Jens mit seinem Mitgründer bereits früh in SellerX eingestiegen. Er und sein Mitgründer sind nun Managing Director bei der SellerX Group.

Doch welche Beweggründe stecken wirklich hinter seiner Entscheidung?
Wie strukturiert man den Zusammenschluss zwischen einem Millionen-Unternehmen und einem gut finanziertem Startup? 

Welche To Do’s sind in der Phase nach dem Deal zu beachten, um ungeplante Herausforderungen zu meistern? Stichwort: Post-Merger-Integration.
Alle Antworten und die wichtigsten Learnings von Jens Wasel gibt’s in dieser Folge. 

Die Fragen:
1:23 Rahmendaten rund um KW-Commerce vor dem Verkauf
2:39 Gründe für den Verkauf von KW-Commerce 
7:50 Welche Faktoren waren wichtig, um den Deal zu strukturieren? 
12:34 Merge: Welche Fragen stellt man sich selbst und welche kommen im Gespräch auf?
15:22 Was ist das Businessmodell von Aggregatoren?
17:33 Zusatz-Benefits aus dem Merger
19:47 Welche Unterlagen & Details landen im Datenraum, wie spricht man darüber?
24:31 Wozu gab es die meisten Rückfragen/den meisten Diskussionsbedarf? 
27:17 Worauf stellt man sich post Merge ein? Wie sieht der erste Tag nach einem Merger aus? 
30:16 Was waren/sind die größten Herausforderungen im "neuen" Business?
32:25 Wie sehen die Zukunftsvisionen aus? 
36:33 Warum spielt Eigenkapital eine große Rolle? 
38:10 Die Learnings im Überblick


KW-Commerce Gründer Jens Wasel über den Verkauf seines ersten Start-ups, sein Unicorn Seller X und warum nichts über ein persönliches Treffen geht

Das 2020 gegründete Start-up „Seller X“ landete Ende letzten Jahres in den Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass es in einer neuen Fundingrunde 500 Millionen Dollar in Fremd- und Eigenkapital eingesammelt hat. Aber damit war es mit den Neuigkeiten um das frisch gebackene Unicorn noch lange nicht vorbei:  Wie sich herausstellte, hatte das Unternehmen im Zuge seiner Wachstumspläne die um einiges größere (und ältere) Firma KW Commerce akquiriert. 

Auch wenn es sich bei dem Aufkauf von KW Commerce aus legaler Perspektive um eine Akquise handelt, gleicht der Deal eher einem Merger. Denn die zwei KW Commerce-Gründer Jens Wasel und Max Kronberg werden Seller X von nun an gemeinsam mit Philipp Triebel und Malte Horeyseck führen. 

„Für uns ist es [kein Exit], sondern die nächste Phase“, stellt Jens Wasel klar: „Der primäre Grund einen Deal mit Seller X zu machen war nicht das Geld. Aus meiner Sicht ist Geld die falsche Motivation. Wenn du einen Deal aus diesem Grund machst, ist das der Anfang vom Ende.“ 

Tatsächlich war das 2012 gegründete Start-up KW Commerce schon seit Jahren profitabel und keineswegs in einer Situation, in der es verkaufen musste. Im Gegenteil: Jens Wasel war einer der ersten Angels, die in „Seller X“ investiert haben: 

„Ich bin ein großer Fan des Buches ‚Scaling Up‘ von Verne Harnish.“, erklärt der Gründer zum Hintergrund des Mergers: „Ein Konzept von Harnish ist der sogenannte B-Hack. Hier geht es um die langfristigen Ziele der Firma und die Frage, wo man in 20 Jahren stehen will.“ Im Laufe der Jahre haben er und sein Mitgründer Max Kronberg ein solches Ziel für ihren Onlinehändler KW Commerce ausgearbeitet: „Wir wollen der weltweit führende Marktplatzhändler werden. Das haben wir uns seit 2016 auf die Fahne geschrieben und wirklich alles gemacht, um das umzusetzen.“ 

Mit über 460 Mitarbeitern, Fulfillment Centern in Deutschland und China sowie 8 Millionen Kunden pro Jahr war das Unternehmen auf einem guten Weg, um ihr Ziel zu erreichen.  Allerdings führte die wachsende Anzahl der mit Venture Capital gestützten Konkurrenten dazu, dass die zwei Gründer sich gezwungen sahen, neu zu denken:

Wir waren wirklich auf einem sehr guten Weg. Aber mit den ganzen Aggregatoren hat sich das Playing Field komplett verändert“, erinnert sich der Unternehmer: „Wir hatten plötzlich Mitbewerber mit Venture Capital.  Uns wurde klar, dass wir unser langfristiges Ziel nicht erreichen würden, ohne einen Merger zu machen oder selbst Kapital einzusammeln.“

Und so kam es zur Entscheidung, sich vom Seller X aufkaufen zu lassen und ins Führungsteam des Unicorns zu wechseln.  Für Jens Wasel war dies nicht nur der beste Weg, um seiner Firma das größtmögliche Wachstum zu ermöglichen, sondern auch, um selbst weiterzuwachsen: 

„Meine persönliche Motivation ist die Weiterentwicklung. Die Lernkurve, die ich in den letzten fünf Monaten mitgenommen habe, ist einfach phänomenal. Ich habe so viel gelernt und so viele neue Dinge in mein Repertoire mit aufgenommen. Das ist für mich und meine persönliche Motivation Wahnsinn.“

Dank einer langen Vorbereitungszeit und einem bereits gut funktionierenden operativen Business konnte die Due Diligence „nebenbei“ durchgeführt werden. Und doch hatte der Gründer nur wenig Zeit zum Durchatmen:  

„Am Ende könnte man denken, dass sich nach einem Signing viel verändert, aber es geht einfach in voller Geschwindigkeit weiter.“

Trotzdem ist es wichtig, dass man als Führungskraft die Veränderung aktiv mitgestaltet und für seine Mitarbeiter da ist: 

„Du musst mit den Leuten sprechen und dir natürlich auch die Sorgen und Nöte anhören. Denn wenn die Leute Merger hören, ist das nicht unbedingt positiv belegt. Wir versuchen daher im ständigen Dialog mit allen zu sein und das Feedback einzuarbeiten.“ 

Er empfiehlt anderen Jungunternehmern, die einen Merger, einen Verkauf oder eine Akquise planen, sich nicht nur von der Verkaufssumme leiten zu lassen: 

„Nimm nicht unbedingt den monetär besten Deal.  Der finanziell beste Deal kann mit viel Glück auch der Beste sein, aber konzentriere dich lieber auf die Menschen und die Unternehmenskultur.“ 

Aus diesem Grund sollte man sich auf jeden Fall Zeit nehmen, um die Menschen, mit denen man verhandelt, auch wirklich kennenzulernen. Außerdem geht nichts über persönliche Treffen, um die Kommunikation zu vereinfachen und Vertrauen aufzubauen: 

Klar haben wir auch Zoom Meetings und so weiter. Aber ich glaube, es ist notwendig, dass man sich zumindest einmal mit den Anwälten zusammensetzt und wirklich in die Augen schaut. Sich einmal in einem Raum einzuschließen und sukzessive alle Punkte durchzugehen ist megawichtig. Klar kann man vieles remote machen, aber das ersetzt nicht das persönliche Treffen.“

Da das Geschäftsmodell von Seller X darin besteht, bereits bestehende Amazon-Seller aufzukaufen, weiß Jens Wasel, wovon er redet.  Immerhin gehören die Abwicklung von Mergern und Akquisitionen spätestens seit seinem Wechsel zu Seller X zu seinem Tagesgeschäft. Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, was man im Falle eines Verkaufs oder einer Akquise besonders wichtig ist, solltet ihr euch den Podcast auf keinen Fall entgehen lassen…

JENS WASEL

Jens auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/jenswasel/
SellerX: https://sellerx.com/

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