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April 22, 2022

How to Marketlaunch & die häufigsten Stolperfallen: Das musst du beachten, wenn du international erfolgreich launchen willst - mit Axel Bard Bringéus

How to Marketlaunch & die häufigsten Stolperfallen: Das musst du beachten, wenn du international erfolgreich launchen willst - mit Axel Bard Bringéus

Axel Bard Bringéus hat mit Spotify zum Ende seiner Dienstzeit im Schnitt 1,5 Märkte im Monat gelauncht.

Unter Axels Führung expandierte Spotify in 50 neue Märkte. Nun gründet er ein neues Unternehmen und teilt seine Learnings aus jahrelanger Expansions-Erfahrung.

Muss ich zwingend kulturnahe Mitarbeiter einstellen, wenn ich international launche?
Welche Stolperfallen gibt es vor/bei einem Marketlaunch?
Ist es sinnvoll, alle Märkte zentral zu steuern?
Wie stelle ich meine Organisation auf, um internationalisieren zu können?

Zusätzlich dazu hat Axel noch die Hintergründe zu seinem aktuellen Projekt informed mitgebracht – sein neues Unternehmen befasst sich damit, dir mit nur einem Abo qualitativ hochwertige, von Experten kuratierte News und Meinungsartikel bereitzustellen. Viel Spaß!

Die Kapitel:
01:29 Wie und warum kam es zu der Gründung von informed?
02:29 Was war dir bei der Auswahl der Mitgründer wichtig?
03:08 Wie haben dir deine Erfahrungen bei der Neugründung geholfen?
04:45 Aufbereitung & Verwaltung der Inhalte
06:27 Worauf habt ihr euch fokussiert/was testet ihr?
09:39 Wie sieht euer Geschäftsmodell aus & wie unterscheidet sich licensed News-Inhalt von licensed Musik-Inhalt z. B.?
10:59 Deine Zeit bei Spotify: Welche Fehler habt ihr gemacht?
13:44 Wie habt ihr eure Prozesse nach den Fehlern optimiert?
15:20 Brauche ich zwingend Mitarbeiter aus der jeweiligen Landeskultur, wenn ich neue Märkte erschließe?
19:18 Welche Gedanken muss ich mir machen, wenn ich einen neuen Markt launchen will?
27:24 Welche Guidelines müssen schon stehen, wenn ich in andere Märkte gehe und wann kann ich dezentralisieren?
29:35 Zentrale Steuerung vs. Autonomie
33:24 Hast du noch mehr Tipps?
38:47 Wie viele Märkte hat es gebraucht, bis der Prozess des Launches optimiert war?
39:57 Wo war dein Team in der ganzen Organisation angesiedelt?

AXEL BARD BRINGÉUS
Axel auf LinkedIn: https://linkedin.com/in/axelbringeus/  
Informed: https://informed.so/


Wie geht man einen internationalen Launch an?

„informed“-Co-Founder und ehemaliger Spotify-Head of Markets Axel Bard Bringéus über internationale Expansion und warum man beim Hiring keine Kompromisse eingehen sollte:

Als ehemaliger Global Head of Operations und Head of New Markets by Spotify, war Axel Bard Bringéus bei der Expansion von Streaming-Gigant Spotify von Anfang an dabei. Von den hierbei gemachten Erfahrungen profitiert der Jungunternehmer, der inzwischen mit „Informed“ sein eigenes Start-up gegründet hat, nach wie vor: 

„Unser Hauptfehler [bei Spotify] war, dass wir oft die falschen Leute eingestellt haben“, reflektiert der junge Gründer: „Wir haben oft jemanden angestellt, obwohl wir nicht die perfekte Person gefunden haben. Das hat aber nie funktioniert.“ Aus diesem Grund lautet sein wichtigster Rat an andere Gründer, beim Hiring keine Kompromisse einzugehen. 

Was aber tun, wenn man eine Position dringend füllen muss, aber keine passende Person findet? 

„Wenn wir keine Leute gefunden haben, die gepasst haben, haben wir einfach Leute aus dem Kernteam hingeschickt“, erklärt Axel Bard Bringéus. Denn meist sei es besser, einen „Trusted Soldier“ aus den bereits bestehenden Reihen in ein neues Land zu schicken und dafür hochrangige operative Aufgaben mit lokalen Mitarbeitern zu besetzen. 

Darüber hinaus rät er Jungunternehmern, sich über die Gründe der Expansion klar zu werden:  

„Das absolut wichtigste ist, dass dein Produkt bereits sehr gut ist, bevor du expandierst. Market Launches oder geografische Expansion sollte nicht aus einer defensiven Sicht gemacht werden, weil die existierenden Märkte nicht funktionieren. Man sollte wirklich warten, bis man in den Märkten, in denen man bereits ist, ein gutes Product Market Fit hat.“ 

Aus diesem Grund empfiehlt er jungen Start-up-Gründern, sich ehrlich zu fragen, ob man überhaupt in andere Märkte muss. Im Fall Spotify war klar, dass die Expansion in andere Märkte ein „Do or Die“ Thema war: 

“Aus Business-Perspektive musste Spotify eine große global skalieren. Uns war klar, dass es keinen erfolgreichen europäischen Streaming-Anbieter geben kann und wir in Amerika launchen müssen, weil dort die Rekord-Labels und ein Großteil der Konsumenten sitzt“, erinnert sich der Unternehmer. 

Neben der Frage, ob man überhaupt expandieren muss, ist es zudem wichtig, auch in der Reihenfolge der Expansion strategisch vorzugehen. So war im Fall Spotify klar, dass der amerikanische Markt früh erobert werden müsse, weil sich dort ein Großteil der Musikindustrie befindet. Auch Indien stand oben auf der Liste, da sich dort bereits viele Streaming-Anbieter befanden und ein früher Markteintritt einen entscheidenden Unterschied im Konkurrenzkampf machen würde. 

Am Anfang sei der Eintritt in neue Märkte bei Spotify sehr chaotisch abgelaufen: 


„Die ersten Launches, die wir gemacht haben, waren sehr chaotisch. Wir haben uns viel zu spät darüber Gedanken gemacht, wie wir uns [bei der Expansion] organisieren.“ 

Im Laufe seiner zunehmend größeren Erfahrung, habe er dann gelernt, dass es am besten sei, am Anfang sehr zentralisiert vorzugehen und danach stark zu dezentralisieren. Darüber hinaus habe das Unternehmen eine Checkliste entwickelt, mit deren Hilfe der Launch in neue Länder zu einem gewissen Maße automatisiert werden konnte: 

„Wir haben einen Schritt zurück gemacht und uns gefragt, was funktioniert und was nicht. Dann haben wir eine Checkliste gemacht, in der wir festgelegt haben, wann wir womit anfangen müssen und welche Workstreams essenziell sind. Mithilfe dieser Checkliste haben wir die Launches gemanagt. Das Festlegen solcher Prozesse hat uns geholfen, in einem rasanten Tempo zu launchen.“ 

Damit nichts untergeht, sei Spotify außerdem dazu übergegangen, ein autonom operierendes Launch-Team aufzubauen: 

„Wir haben uns außerdem überlegt, wie man so ein Launch-Team am besten organisiert. Am besten ist es, eine dezidierte Person für den Markteintritt zu hiren, die zusieht, dass alles, was den Launch angeht, weiter gepusht wird.“ 

Das Spotify-Modell ist offensichtlich aufgegangen. Auch wenn das Unternehmen kürzlich aufgrund verschiedener Kontroversen in den Schlagzeilen landete, ist es mit 31% Marktanteil nach wie vor der größte Streaming-Anbieter der Welt. Axel Bard Bringéus selbst hat das Unternehmen 2017 verlassen und sich inzwischen der Gründung seines eigenen Start-ups zugewandt: 

„informed“ ist eine App, die ihren Nutzern einen kuratierten, aus verschiedenen Quellen (und Perspektiven) bestehenden Newsfeed zusammenstellt.  

„Wir haben gemerkt, dass Menschen keine Paywalls mögen und ein Bedarf nach flexiblen Formaten, die einem einerseits einen Überblick geben, aber auch die Möglichkeit, sich in ein Thema zu vertiefen. Darüber hinaus wollen Menschen komplexe Themen aus verschiedenen Perspektiven verstehen. Diese drei Insights versuchen wir in einer App zu bündeln“, fasst der Gründer das Geschäftsmodell zusammen. 

„Ich persönlich hatte immer den Drang zu gründen. Es war aber bisher nie der richtige Zeitpunkt, das richtige Thema oder das richtige Team“, meint der Jungunternehmer. Aus diesem Grund hat er sich im Vorfeld der Start-up-Gründung viel Zeit genommen, um seine Mitgründer auch wirklich kennenzulernen: 

„Wir haben einen relativ langen Datingprozess gemacht. Man muss nicht beste Freunde sein, aber dieselben Grundwerte haben.“  

In Benjamin Mateev und Martin Kaelble hat er anscheinend zwei Mitgründer gefunden, mit denen er nicht nur dieselben Werte teilt, sondern deren Erfahrung und Know-how sich gut ergänzt. Auch wenn das 2021 gegründete Start-up momentan noch in der geschlossenen Beta-Phase befindet, ist davon auszugehen, dass wir noch einiges von dem neuen Projekt hören werden. 

Wenn ihr bereits jetzt mehr über “informed” erfahren und darüber hinaus aus weiteren Erfahrungswerten aus der Spotify-Zeit des Jungunternehmers profitieren wollt, dann hört rein in den Podcast…