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Feb. 28, 2022

Charlotte Kufus, Legal OS | Female February

Charlotte Kufus, Legal OS | Female February

Wie sich juristische Verträge und Prozesse mit No-Code kombinieren lassen

Charlotte Kufus ist CEO & Gründerin von Legal OS, der No-Code Plattform, die juristische Verträge abbildet und juristische Entscheidungen automatisiert trifft. Sie erzählt, wie viel Digitalisierungspotential der Legal-Bereich bietet und warum sie ohne hier ohne Vorkenntnisse gründen wollte.


„Es gibt auch Momente der tiefen Verzweiflung“

Legal OS-Gründerin Charlotte Kufus über die richtige Mischung zwischen Emotionalität und Distanz

In den ersten vier Jahren war es relativ still um das 2018 gegründete Start-up „Legal OS“.  Mit dem vergangenen Jahr hat sich dies aber geändert: 2021 hat das Unternehmen nicht nur sein Produkt gelauncht, sondern auch über 7 Millionen Dollar eingesammelt. Die Liste der Investoren kann sich sehen lassen: Unter anderem hat sich Googles KI-fokussierter Venture Fund „Gradient Ventures“ an der Finanzierung beteiligt. 

Die Gründerin Charlotte Kufus begründet die Entscheidung, mit dem Launch des Produkts fast vier Jahre zu warten wie folgt:  

„Wir hatten von Anfang an Partner und Kunden, die mit uns gemeinsam das Produkt entwickelt haben. Da Fehler [im Legal-Bereich] sehr kostspielig sind, mussten wir aber darauf achten, dass das Produkt eine gewisse Qualität hat, bevor wir es breiter anbieten. Die Technologie zu entwickeln, die tatsächlich in der Lage ist, mit der Komplexität umzugehen, kostet Zeit. Diese Zeit haben wir uns genommen.“

Aber das Legal OS sticht nicht nur in Hinsicht auf den relativ späten Launch aus der Menge der Start-ups heraus: Eher ungewöhnlich ist auch, dass weder Charlotte Kufus noch ihre zwei Mitgründer aus dem Rechtsbereich kommen.

„Eine gewisse Naivität hat mit Sicherheit eine Rolle gespielt“, gibt Charlotte Kufus zu. Und doch sorgt gerade die Tatsache, dass keiner der drei Gründer aus der Branche kommt, dafür, dass das Team mit frischen Augen auf bestehende Probleme im Rechtssystem blicken kann. 

„Das Spannende an Recht ist, dass es ein komplett regelbasiertes System ist. Trotzdem sind alle Prozesse, die mit Recht zu tun haben, nach wie vor wahnsinnig manuell und extrem intransparent. Das System und die Möglichkeit dieses System nachhaltig zu ändern [hat uns fasziniert]“, erinnert sich die Jungunternehmerin: „Die Tools, die Anwälte nutzen sind Word, PDF und E-Mail. Viel weiter hat sich das nicht entwickelt.  Wir haben mit einer Außenperspektive draufgeschaut.“ 

Und tatsächlich ist den Quereinsteigern dabei einiges aufgefallen: 

„Alles, was es bereits auf dem Markt gab, hat nur die Symptome, nicht aber das Problem behandelt. Das Hauptproblem ist, dass Recht immer noch auf Text basiert. Text versteckt aber sehr viele interessante Dinge und damit meine ich vor allem Daten“, erklärt die Gründerin. 

Und so kam es zur Idee, ein Tool zu launchen, das Kanzleien erlaubt, juristische Prozesse in Datenmodelle umzuwandeln: 

„Man sieht die rechtlichen Strukturen in einer Art Entscheidungsbaum. Diese Visualisierung hilft dabei, zu verstehen, wie ein rechtliches Regelwerk eigentlich funktioniert. Kurz gesagt: Unser Tool hilft Rechtsexperten dabei, ihre Expertise zu visualisieren.“ 

Mithilfe der Legal OS-Plattform können auch Juristen ohne Coding-Kenntnisse ihre Dienstleistungen und Expertise digitalisieren und (zumindest teilweise) automatisieren. Denn obwohl das Rechtssystem auf Regeln basiert und sich daher eigentlich sehr gut für die Übersetzung in Computermodelle eignet, hinkt die Legal-Branche, was die Digitalisierung angeht, noch weit hinter anderen Berufsfeldern hinterher. Dies liegt unter anderem daran, dass die meisten Juristen keinen großen Leidensdruck haben: 

„Wir sind einem Markt unterwegs, der sehr traditionell ist. Es gibt ein Verständnis dafür, dass Dinge anders laufen müssen. Trotzdem fehlt der Druck tatsächliche Änderungen einzuführen, da ja alles ganz gut läuft. Anwälte haben einen hohen Stundensatz. Warum sollte ich schneller werden, wenn ich dann weniger abrechnen kann? Das ist ein Battle, den wir dauerhaft kämpfen“, erklärt Charlotte Kufus. Eine der größten Herausforderungen für das Start-up liegt daher darin, die richtigen Einflugschneisen zu finden, um in den Markt hineinzukommen. 

Heute ist Charlotte Kufus vor allem stolz auf ihre Unternehmenskultur und ihr diverses Team. Denn obwohl sich in den letzten Jahren einiges getan hat, ist die Reise zu einer gleichberechtigten Arbeitswelt noch lange nicht abgeschlossen: 

„Es ist nach wie vor extrem wichtig, dass mehr Frauen gründen. Es braucht Vorbilder“, stellt die Gründerin klar.  Sie selbst hat in den letzten vier Jahren eine steile Lernkurve hinter sich. Vor allem die Fundraising-Phasen empfindet sie als äußerst aufreibend:  

„Im Nachhinein kommt einem das nicht mehr schlimm vor, weil sich dann eine rote Linie ergibt. Und doch ist man jeden Tag mit Hindernissen konfrontiert und es gibt auch tiefe Momente der Verzweiflung.“ 

Sie rät anderen Gründern daher, die richtige Balance zwischen Emotionalität und Distanz zu finden: 

„Als Gründerin muss man darauf schauen, dass man auf der einen Seite wahnsinnig motiviert ist und diese Emotionalität auch braucht und andererseits auch lernt, eine gewisse Distanz zu entwickeln.“ 

Und trotzdem möchte sie vor allem Frauen ermutigen, den großen Schritt zu wagen: 

„Macht es. Gründet. Es gibt nicht so viel zu verlieren. Gerade in einem Land wie Deutschland fällt man weich.“ 

Inspiriert?

Wenn ihr mehr über das Start-up, dass kurz davor ist unser Rechtssystem ins 21. Jahrhundert zu bringen, erfahren wollt, dann hört rein in den Podcast…

 

Die Fragen:

  • 2:35 Wann hast du dein Interesse am Gründen entdeckt?
  • 4:55 Wie habt ihr es geschafft in einen, euch unbekannten Markt einzusteigen?
  • 8:46 Wie sah euer Produktentwicklungsprozess aus?
  • 12:16 Wie tief musstet ihr selbst in die juristische Basis einsteigen?
  • 16:47 Wo steht ihr aktuell?
  • 18:57 Welche Rolle spielt Netzwerk für dich?
  • 24:56 Welche Hindernisse konntet ihr überwinden?
  • 28:59 Wie gehst du mit Stress um?
  • 31:44 Worauf bist du besonders stolz?
  • 34:51 Was möchtest du anderen Gründer:innen auf den Weg geben?

 

Vielen Dank fürs reinhören!

 

CHARLOTTE KUFUS:

 

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